Aus dem Vorwort zum Willi Ehms Liederbuch von Müller Martin:

Ich kenne Willi seit einem Konzert von Butch Hancock in der Münchner Kneipe Substanz. Eine lange Reihe stand nach zwei beseelten Stunden an der Bühne an, um eine CD vom legendären Texaner persönlich zu kaufen. Vor mir kam ein Typ dran, der einen schwarzen Anzug, darunter ein rotgeblümtes 70er Jahre Hemd und darüber ein Etwas trug, das 20 Jahre vorher mal ein Cowboyhut gewesen sein mochte. Als Butch ihn routiniert fragte, ob er das Booklet signieren solle, sagte der Typ: »No, thanks. I like your songs, not your name.«

So ist Willi. Es geht ihm um die Sache. Und seine Sache sind Songs. Der Schein ist ihm egal (und leider auch die Scheine, aber das ist eine ganz andere Geschichte). Wer ihn live auf der Bühne erlebt hat – jubilieren, triumphieren, partizipieren, neue Wörter ausprobieren – kann sich wohl kaum die fast schon meditative Konzentration vorstellen, mit der er in seinem privaten Studio an den Songs feilt. Auf dem Tisch liegen ein Krimi von Wolf Haas, das CD Booklet einer Perry Como Box, ein Reiseführer Rom, eine Freundin hat die aktuelle Ausgabe einer Kulturzeitschrift mit dem Monatsschwerpunkt Architektur mitgebracht, und dann stapeln sich da noch eine No Depression, die FTD von heute, drei alte ZEIT-Feuilletons. Der Fernseher wartet tonlos auf die Enterprise, die CD-Wechsler auf Random erfinden völlig willkürliche und doch völlig selbstverständliche Bezüge zwischen Cajun und Schneewalzer, Lightnin’ Hopkins und I’ve got you under my skin, Wirtschaftswunder-Schlager, Bossa Nova und den Replacements.

Dazwischen der Künstler, grad zurück von einem Spaziergang über die Felder hinterm Haus, im Bademantel, am Notebook. Er schreibt, montiert, feilt, löscht, erinnert sich an eine Formulierung der Spider Murphy Gang, grölt plötzlich mit jemand namens Jerry Jeff Walker um die Wette und schaltet dann den CD-Spieler kurz auf Pause, um eine dieser rauen, frischen Melodien festzuhalten, den Rhythmus schnippt er an sein Rotweinglas.

Was Willi Ehms uns in seinem Liederbuch zusammengestellt hat, ist die Chronik seiner kleinen Welt, die unsere große ist. In seiner kleinen bayrisch-österreichischen Sprache, die in unserer großen deutschen ausstirbt, wie diese im Englischen. Seine Lieder sind wahr. Traurig, aber wahr. Traurig und schön. Lied gut – alles gut, wie er immer sagt.